Die ersten Tage...

Donnerstag, 2.September – Der Tag der mein Leben veränderte:

Um 6:00 Uhr läutet der Wecker. Ich drehe mich noch einmal um – ich will noch nicht aufstehen. Gestern war es noch mal echt stressig. Die letzten Sachen in den Koffer packen (ich hab bei weiten nicht alles untergebracht was ich eigentlich mitnehmen wollte), dann bin ich noch zum Arzt und Mittag ins Exclusiv. Mozart hat aufgekocht. Am Nachmittag noch schnell zur Bank um die abgelaufenen Daueraufträge zu stornieren, zur Post und dann der letzte formelle Akt: Abmeldung beim Magistrat. Am späten Abend dann die finale Runde: Exclusiv, Gschirreiter, Weinreberl und nochmals kurz Exclusiv.
Um 6:30 Uhr stehe ich dann doch auf. Ich stehe gerade unter der Dusche, als es läutet. Sabrina ist pünktlicher als ich dachte – es ist also doch noch Verlass auf die Jugend. Rein ins Gewand, ein letzter Schluck Kaffee und runter mit den gepackten Sachen zum Auto. Das letzte Türzumachen – ohne Schlüssel - erledigt Sabrina. Um 7:30 Uhr starten wir Richtung München. Es ist wenig Verkehr und wir kommen besser voran als gedacht. Kurz nachdem wir österreichischen Boden verlassen haben, für Sabrina nur kurz – für mich etwas länger, legen wir eine Frühstückspause ein. Nach einem guten Frühstück geht’s nun durch bis zum Flughafen. Sabrina fragt mich so ca. alle halbe Stunde "und Onkel Richard, bist schon nervös?". Doch ich bin nicht nervös, ich bin total ruhig und entspannt. Ich habe diesen Lebensabschnitt "ohne Baustellen" abgeschlossen und kann somit beruhigt gehen. Um 10:30 Uhr erreichen wir den Flughafen. Nach kurzer Parkplatzsuche geht es mit dem Gepäck ins Terminal und zum Einchecken. Gott sei Dank ist die Schlange vor dem Condor Schalter nicht lang und so stehe ich schon kurz darauf vor dem Check in. "Die Pässe bitte", doch ich erkläre ihr, dass ich alleine bin. Sie schaut mich verdutzt an, doch als ich ihr das One Way Ticket mit dem Beleg des zusätzlichen Gewichtes vorlege, weiß sie, warum ich so viel Gepäck habe. Zuerst leg ich meinen Rucksack auf die Waage – 14 kg! O.K. noch unter den bezahlten 40 kg. Dann der Trolly – 6 kg, auch noch gut. Dann kommt der Koffer: 35!! Kg – 15 kg zu viel. Das kostet nochmal ordentlich, in Summe hab ich für die 35 kg 250 Euro bezahlt (100 Euro für 20kg Freigepäck und 150 Euro für die 15 kg Übergepäck) – das ist fast so viel wie das Ticket gekostet hat.
Sabrina hat noch etwas Zeit, ich sowieso, und so kaufen wir uns noch was zu trinken. Schön langsam steigt bei mir der Adrenalinspiegel. Nicht Nervosität sondern Anspannung macht sich breit. Als ich mich dann um 11:30 Uhr von Sabrina verabschiede, drückt es mich schon ziemlich in der Brust. Jetzt ist auch der letzte Faden zerschnitten – jetzt gibt es kein zurück mehr.
Es ist ein sehr ruhiger Flug in der Boeing 757-300. Die Maschine ist ziemlich voll, gerade mal 3 Plätze sind frei. Ich habe, wie gewünscht einen Gangplatz, aber bei dem schönen Wetter, hätte ich mir diesmal doch einen Fensterplatz nehmen sollen. Das Panorama, als wir die Alpen überfliegen, ist sensationell. Sogar die Großglockner Hochalpenstraße ist zu sehen, inkl. dem Gipfel des Glockners. Danach schlafe ich bis wir über Kairo sind. Wir sind zwar um gut 20 min. verspätet abgeflogen, aber das hat er eingeholt. So landen wir pünktlich um 16:45 Uhr. Im Flugzeug wird als Ortszeit 17:45 Uhr angezeigt und so stellen viele die Uhr um – ich auch. Im Nachhinein gesehen ein Fehler – Ägypten hat wegen des Ramadan die Sommerzeit bereits am 9. August beendet und somit für ein paar Wochen keine Zeitverschiebung zu Österreich.
Jetzt war ich erst im Mai hier, aber den Ankunftsbereich haben sie ziemlich verändert. Die Bank, wo man das Visum erhält, ist nicht mehr geradeaus sondern links, wo früher die Touristenclubs waren – die sind dafür jetzt geradeaus. Was solls! Visum gekauft, Passabfertigung und rüber zum Gepäckband. Das Gepäck kommt sehr schnell und so geht es raus aus dem Flughafen. In dem Moment kommen zig Taxler auf mich zu. Nach etwas Feilschen bleibt nur mehr einer übrig. Gepäck rein in den Kombi und ab geht die Fahrt. Im Handy hatte ich mir schon die Nummer von Mr. Wageh (das ist der Kontaktmann, von dem ich die Schlüssel bekomme) gespeichert, doch als ich ihn anrufen will, nuschelt mir nur eine auf Band gesprochene Damenstimme etwas auf arabisch ins Ohr. Jetzt habe ich mir doch erst im Mai eine Karte mit 100 Pfund gekauft, und nun geht sie nicht – Schei…e!! Wir sind schon kurz vor der Wohnung, als der Taxler von seinem Handy aus Mr. Wageh anruft. Nach einer herzlichen Begrüßung, erklärt er mir, dass er mir die Schlüssel in seinem Büro übergibt und dass er dem Taxler schnell erklären möchte, wo das ist. Nach ein paar Worten auf arabisch zwischen den beiden, geht es retour. Wir müssen zurück nach Mubarak 6. O.k., das kenn ich und als wir vor dem Haus sind kommt mir dieses auch gleich wieder bekannt vor. Hier war ich auch schon im Mai und hab mir eine Wohnung angeschaut. Ich bekomme die Schlüssel und wir fahren nun endgültig zur Wohnung. Markus, mein neuer Nachbar und zugleich der Makler der Wohnung, hatte mir den Weg super beschrieben und eine Zeichnung geschickt. Danke Markus, wir verfahren uns nicht einmal. Vor der Villa angekommen, hilft mir der Taxidriver sogar noch das Gepäck in die Wohnung zu tragen. Wir unterhalten uns noch etwas, ich schreib mir seine Telefonnummer auf und bezahle ihn. Natürlich gebe ich im mehr als ausgemacht. Wir sind ja weit mehr gefahren und geholfen hat er mir auch.
Da stehe ich also nun in der neuen Wohnung. Das Erste: Fenster auf und Klima ein! Es ist verdammt warm und stickig! Überall liegt eine leichte Staubschicht, am besten zu sehen ist das auf den Glastischen. Naja, da hab ich ja in den nächsten Tagen einiges zu tun. Ich packe die nötigsten Dinge aus dem Koffer und jetzt wird mir erst bewusst, dass ich ja gar nichts zu trinken mithabe. Vielleicht ist ja einer der anderen Hausbewohner zuhause und kann mir einen Tipp geben, wo ich noch schnell was kaufen kann. Ich gehe die Stiege rauf zur Dachterrasse, aber niemand ist da. Auf der Terrasse rauche ich eine Zigarette und bemerke, dass es schon ziemlich finster ist. Zurück in der Wohnung, beschließe ich, das Bett noch zu machen und dann in den Jazzclub, beim Grand Hotel, zu fahren. Die Gegend kenne ich, da kann ich noch einkaufen und vielleicht sehe ich ja ein paar bekannte Gesichter. Leintuch habe ich mitgenommen, als Decke benutze ich ein Badetuch und Polster sind ja auf der Couch – fertig ist mein Schlafgemach für die erste Nacht.
Ich verlasse die Wohnung und gehe in der Finsternis, nur mit einer Taschenlampe bewaffnet, Richtung Hauptstraße. Es sind vielleicht 300 m, dort werde ich mir ein Taxi nehmen. Ich bin noch nicht weit gekommen da beginnt schon der erste Hund zu bellen. Ägypter mögen ja keine Hunde, drum laufen die streunend herum. Na schei..e, was machst jetzt. Ich gehe weiter, der Köter kläfft mich zwar ziemlich an aber er nähert sich nicht. Kaum stellt der das Bellen ein, erwartet mich der nächste Kläffer. Ich gehe abermals an dem Köter vorbei und es passiert wieder nichts. Bis ich die Straße erreiche, ich gehe vorsichtshalber nicht die Abkürzung, habe ich ca. 5 weitere solche Begegnungen. Ich halte einen Taxler auf und wir fahren Richtung City. Er lässt mich beim Hintereingang des Grand Resort raus und ich gehe das kleine dunkle Gässchen Richtung Promenade. Überall sitzen Einheimische auf der Straße rum aber die Grüßen mich nur freundlich oder bemerken mich gar nicht. Na ist klar – ein Tourist geht nicht durch diese Gasse bzw. wird er vom Taxler vor den Haupteingang gefahren. So schnell geht es, denk ich mir, und du bist statt eines Touristen, ein Permanent Resident. Du brauchst nur statt von einem Hotel, von einer Wohngegend wegfahren.
Im Jazzclub sehe ich sofort ein bekanntes Gesicht, es ist Dirk, der Leiter der Tauchbasis. Wie gewohnt treffen sich die Taucher um die Zeit im Jazzclub auf ein Deco-Bier. Wir begrüßen uns mit einer Umarmung und ich setze mich zu ihnen. Es ist wie im Urlaub, es herrscht gute Laune, es werden Taucherlebnisse beschrieben und Witze erzählt. Nach ein paar Bier, einem Besuch des Bankomats und dem Kauf eines 6 Liter Wasserbehälters fahre ich mit dem Taxi zurück.
Vorm Haus begrüßt mich schon der Security. Wir tratschen ein paar Worte, er wechselt mir noch eine kaputte Glühlampe und dann falle ich hundemüde ins Bett.
Das war er also – der Tag der mein Leben veränderte.

Freitag, 3. September – Tag 1:

Ich werde gegen 7:00 Uhr munter. Draußen scheint bereits die Sonne und ich beschließe auf die Dachterrasse zu gehen. Ein angenehmes Lüftchen weht hier oben, aber die Sonne hat eine andere Kraft als in Österreich. Ich überlege mir, was ich heute alles machen muss. Ich brauche Gläser, Kaffeehäferl und einen Wasserkocher oder zumindest was zum Wasser kochen auf dem Herd. Die Sim-Karte muss ich aktivieren lassen (Dirk hat mir gestern erklärt, dass man das, wenn man die Karte länger nicht gebraucht, wieder machen muss), sonst habe ich keinen Kontakt zur "Außenwelt". Und etwas zum Putzen wär auch nicht schlecht.

Da in Ägypten jedoch um diese Zeit noch nichts offen hat, lege ich mich nochmals ins Bett und schlafe noch ein Stündchen. Um halb neun fährt meine Nachbarin mit dem Auto weg. Ich hab sie zwar kurz gesehen, aber noch nicht mit ihr gesprochen. Naja, vielleicht am Abend. Ich beschließe die Zeit zu nutzen, indem ich den Blogbeitrag für den gestrigen Tag schreibe, damit ich ihn so schnell wie möglich ins Netz stellen kann, wenn ich wieder eine Verbindung habe. Damit vergeht der ganze Vormittag.

Ich fange an die Möbel vom Staub zu befreien. Ich habe aber kein richtiges Tuch dafür, das erschwert alles ungemein. Im Bad geht es noch relativ einfach, weil ich mit der Brause den Sandfilm wegspülen kann. Ich gebe das Unternehmen Putzen für heute auf und mache mir einen faulen Tag. Mir tut einfach "Alles" weh, vor allem das Kreuz und ich bin Hundemüde. Die letzten Tage waren verdammt stressig und ich bin ja auch nicht mehr der jüngste.

Am Abend ist Divers-Night bei denen ich einige "Einheimische" treffen werde, die mir sicher gute Tipps geben können. So ist es dann auch. Marion, die Frau des Vice-Managers der Euro-Divers gibt mir gute Tipps. Morgen fahre ich in die Shopping-mall und kaufe einmal das Nötigste ein. Den Fernseher bringe ich auch nicht zum "gehen", es fehlt ein Verbindungskabel vom Reciever zum Fernseher. Daheim hätte ich es – nur das ist weit, weit weg von hier. So beschäftige ich mich am Nachmittag mit dem neuen Laptop. Der hat Funktionen, von denen habe ich vor dem Studium der Offline-Hilfe nichts gewusst. Windows 7 ist wirklich besser als mein altes XP.

Vor Einbruch der Dunkelheit, um halb Sieben gehe ich wieder zur Hauptstraße. Dieses mal gibt es fast kein Gebell der Köter, es bellt nur einer. Wahrscheinlich weil es noch hell ist. Nach ein paar Bierchen und einigen guten Tipps fahre ich zurück, öffne mir noch ein Bierchen und setze mich vor dem Laptop, um euch den ersten Tag zu schildern. Vor dem Bett gehen gehe ich noch schnell unter die Dusche und da ist sie: die erste Kakerlake! Aber ich bin selbst schuld, ich habe den ganzen Tag das Fenster offen gelassen. Wieder was gelernt! Nach dem Mord genieße ich die lauwarme Dusche. Trinke das Bierchen aus und gehe ziemlich müde ins Bett.

Fazit nach dem ersten Tag: es ist noch wie Urlaub, nur dass ich nicht in einem Hotel wohne. Ich bin noch nicht "daheim", aber es gefällt mir. Trotz aller Umstände bin ich mir immer noch sicher, den richtigen Schritt gemacht zu haben.

Samstag, 4.September – Tag 2:

Wieder das selbe Prozedere wie gestern. Ich werde viel zu früh munter. Ich zwinge mich förmlich dazu, nochmals etwas zu schlafen. Ich glaub, ich muss einmal einen ordentlichen „Zieher machen“ um einen anderen Schlafrythmus zu bekommen.

Bis halb fünf vertrödle ich die Zeit mit PC-Spielen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie fies das Solitär-Spiel ist. Ich hab gerade mal einen Schnitt von 10% an gewonnenen Spielen geschafft.  Um halb fünf fahre ich nach Sekalla um mir die SIM-Karte aktivieren zu lassen. Der „Berater“ von Mobinil hantiert ein Weilchen an meinem Handy herum, will mir dazwischen immer wieder ein Headset verkaufen, und kommt schließlich auf die Idee, ich bräuchte ja nur die Karte neu aufladen. Jetzt werde ich schön langsam etwas ungehalten und erkläre im zum zigten Mal, dass da noch fast 100 Pfund drauf sein müssten. Er lässt sich aber nicht beirren und lädt 10 Pfund drauf – und stellt plötzlich fest: jetzt sind 108 Pfund drauf! Und plötzlich funktioniert das Telefon wieder! Entweder das war wirklich der einzige Weg, oder er ist ein guter Geschäftsmann J. Ich kauf mir noch einen WLAN-Stick fürs Internet und bin froh wieder draußen zu sein.

Danach bummle ich entlang der Hauptstraße die Geschäfte ab. Bei den kleinen Händlern soll man auch Geschirr usw. kaufen können, nur wären die billiger als in der Shoppingmall. Naja, ich bin mal gespannt was da auf mich zukommt. Zuerst ist es ja noch ziemlich touristisch, da gibt es alle Art von Souvenirs und T-Shirts usw. Nach einer kleinen Wanderung werden die Läden mit Touri-Ramsch immer weniger und schließlich stehe ich vor so einem „Haushaltsartikel-Laden“. Ich betrete ihn und schaue mich etwas um. Blechbehälter, total verstaubt, sollen Töpfe sein! Das Besteck liegt vollkommen verstaubt einzeln zwischen Blechpfannen, Gläser stehen ebenfalls unverpackt und verstaubt in den Holzregalen. Als der Verkäufer bemerkt, dass er mit mir so kein Geschäft macht, bringt er mir einen Sechserkarton verpackte Gläser. Ich schau sie mir an und kaufe sie. Die sind in Ordnung und ganz vor den Kopf wollte ich ihn auch nicht stoßen.

Beim zurück fahren kauf ich noch schnell ein paar Dosen Bier, was hier gar nicht so einfach ist, weil dafür eine Lizenz notwendig ist, und ein paar Knabbereien.

Wieder zuhause teste ich gleich einmal den Stick. Er funktioniert. Ich sehe nach evtl. mails und stelle die Berichte online. Nach einem Schlummer-Bierchen, gehe ich gegen 23:00 Uhr ins Bett. Ich hoffe ich kann morgen länger schlafen.

Montag, 6. September – Tag 4:

Heute beginnt der Tag wunderbar. Ich hab mich gestern gezwungen bis 2 Uhr nachts wach zu bleiben. Dank Computerspielen, der Fernseher geht ja noch nicht, ist es mir gelungen. So werde ich erst gegen 8:00 Uhr munter und als Highlight gibt es erstmals Kaffee zum Frühstück. Ist zwar nur löslicher Nescafe, aber es ist Kaffee.

Ich erledige als erstes meine e-mails und versuche die ersten Kontaktgespräche mit den örtlichen Gebietsreiseleitern auszumachen. Silvia hat schon vor einiger Zeit mit denen Kontakt aufgenommen und mir die Telefonnummern geschickt. Ich versuch also die Dame von der Rewe Gruppe anzurufen, doch es geht nicht. Verdammt, schon wieder ist diese arabische Frauenstimme am Telefon. Was mache ich den nun schon wieder falsch? Das ist eine Festnetznummer, o.k. ich habe bis jetzt noch nie ins Festnetz gerufen also nehme ich den nächsten, den Herrn von Thomas Cook / Neckermann. Der hat ein Handy und kann mir bestimmt erklären, wie ich ins Festnetz komme. Ich wähle also die Handynummer und da ist sie wieder: die arabische Frauenstimme! Sie klingt ja sehr nett, und wenn sie nicht vom Band käme und ich sie verstehen könnte, würde ich sie doch glatt auf einen Kaffee einladen. Aber in diesem Augenblick wünsche ich sie zum Teufel! Was mach ich den falsch? Im Mai habe ich doch ganz normal mit ägyptischen Handy’s telefoniert. Das war aber noch mit dem alten Samsung, jetzt benutze ich ein Blackberry. Das muss also am Telefon liegen, denk ich mir und nach erneutem Wählen fällt mir der Fehler auch sofort auf. Im Display sehe ich die 0043, die österreichische Vorwahl, vor der eigentlichen Nummer. Das ist es also! Ich beginne sofort in den Einstellungen zu suchen, doch ich finde keine Möglichkeit, die Vorwahl zu unterdrücken. Ich lese mir die Beschreibung durch, doch da steht auch nichts drin. Nochmals das Handy in die Hand, vielleicht kann ich ja direkt in den „Kontakten“ was ändern. Doch auch da finde ich nichts. Als ich schon ratlos bin und es aufgeben will, drücke ich zufällig die Menütaste und ich komme auf ein Menü mit Telefonoptionen. Ich klicke alle durch und bei „Smart dialing“ steht die Landesvorwahl. Geändert auf unbekannt und schon funktioniert es. Puh, und damit hab ich jetzt 2 Stunden Zeit verschissen! Solltet ihr einmal mit einem Blackberry im Ausland mit einer Pre-Paid Karte telefonieren, vergesst nicht diese Option auszuschalten, sonst funktioniert es nicht. Darum beschreib ich das auch etwas genauer. Ich ruf also bei beiden an und mache mir meine ersten Termine aus – Super, die ersten Aktivitäten als Geschäftsmann sind vollbracht. Es kann also losgehen!

So, jetzt aber ran ans Putzen. Zuerst ins Bad. Es sieht von weitem gesehen ganz nett aus, kommt man aber den Fliesen näher, sieht man die Farbspritzer der „Deckenmaler“. Auffallend ist nur, das die nur im Bereich der Dusche, vor allem im Bereich der Armaturen sind. Das ist wahrscheinlich typisch ägyptisch, dort wo man leicht dazukommt wird weggewischt, dort wo es schwierig ist, wird es nicht gemacht! Um es kurz zu machen, Putzen ist ja nicht sehr unterhaltend, nach dem Bad waren die Böden an der Reihe. Die ganze Wohnung ist mit Fliesen ausgelegt und da ist es das gleiche. Die großen Flächen sind o.k., die Ecken und Winkeln sind Schwerarbeit. Nach drei Stunden intensiver Putzarbeit unter erschwerten Bedingungen, ich habe keinen Kübel gekauft, beende ich die Aktion und stelle fest: es ist noch nicht perfekt, aber ich fühle mich jetzt wohl hier. 2 Dinge habe ich daraus gelernt: 1. So sauber wie in Österreich wirst du hier keine Wohnung hinbringen! Das haben mir schon ein paar Freunde gesagt, nun weiß ich, dass es stimmt. 2. Statt ins Fitnessstudio zu gehen, kommt lieber zu mir putzen! Ist gratis und schweißtreibender!

Nach einer ausgiebigen Dusche will ich mich dafür belohnen. Ich fahre in „mein Zentrum“ (ist nicht DAS Zentrum, aber für mich ist die Gegend rund ums Grand Hotel mein Zentrum, weil ich die Gegend dort am besten kenne – zumindest derzeit) um etwas essen zu gehen und nach etwas einkaufen den Taucherstammtisch der Euro-Divers zu besuchen. Und nachdem ich heute so fleißig war, werde ich Dirk fragen, ob er am Freitag einen Platz am Boot hat. Die erste Woche möchte ich gerne mit einem Urlaubstag am Boot mit zwei schönen Tauchgängen beschließen.

Dienstag, 7. September – Tag 5:

Gestern hat mir der Ramadan wieder ein Schnippchen geschlagen. Ich wollte eines der leckeren Sandwiches bei „Rababa“, das liegt gleich neben der „Jazzbar“ essen, doch „Chef not here, he is eating something – i can make you only french fries“. Da ich schon gewaltigen Hunger hatte, bestellte ich die Pommes. Naja, richtige Pommes waren es nicht, dazu waren sie nicht knusprig genug. Aber ich hatte was im Magen. Dann ging es zum Nachbarn. Ich setzte mich zu Dirk und fragte ihn gleich wegen einem Platz am Boot am Freitag. Das geht klar, ich bin am Freitag tauchen. Jetzt setzte sich ein Ehepaar am anderen Ende des Tisches zu uns und ich dachte mir gleich – die kenn ich. Es war Manni mit Frau, mit dem ich schon öfters als Buddyteam tauchen war. Ich begrüßte sie und sie erkannten mich auch gleich wieder. Es war wieder ein geselliger Abend.

Nach dem Frühstück lese ich meine e-mails, dass wird schön langsam der neue Tagesablauf. Ich bekomme momentan ca. 3-4 mails/Tag von der Spedition, großteils vom ägyptischen Partner wegen der Zolldeklaration, Transport von Alexandria nach Hurghada usw. Sind alle in englisch und gespickt mit Fachvokabeln der Transportlogistik. Meistens reicht es mir aus, wenn ich den Sinn der Sätze verstehe, manchmal brauche ich aber „Leo.org“. Diesmal waren auch 2 ausgesprochen gute dabei. Silvia informierte mich, dass die Wägen am Montag von ihr weggegangen sind und Hr. Noffz von Schenker Deutschland informierte mich, dass sie in Hamburg in den Container nach Alexandria verladen wurden. Ab Morgen werden sie über den Atlantik und Mittelmeer zu mir schwimmen J.

Dann mache ich noch ein paar neuere Fotos mit dem Blackberry (wegen der Größe, damit ich die ich ins Fotoalbum laden kann) und geht es rauf auf die Sonnenterrasse. Ich treffe erstmals auf einen Nachbarn. Willy ist gerade auf Urlaub hier, allerdings ohne Frau, die ist zuhause bei seiner kranken Mutter geblieben. Die beiden haben sich eine Wohnung in der Villa gekauft und kommen im Jänner immer für 4 Wochen runter. Jetzt habe ich endlich einen der mir ein paar Hausregeln erklärt, z.B. wie das mit dem Müll funktioniert, wo man Einkaufen kann, wo der Public Beach ist usw. Er erzählt mir z.B. dass er die letzten beiden male immer Geld für den Wassertankwagen vorstrecken musste, weil der Wassertank leer war. Was heißt Wassertank, Tankwagen? Ich verstehe nur Bahnhof. Er erklärt mir, unser Viertel hat keinen Anschluss ans öffentliche Versorgungsnetz sondern wir haben einen eigenen Wassertank, der so ca. 10.000 l fasst. Naja, bis jetzt waren sie die einzige Partei hier und drum hat er es noch verstanden, noch dazu hat er das Geld ja immer wieder bekommen. Dieses Mal hat er sich die Telefonnummer von Markus, dem Verwalter in Deutschland gar nicht mitgenommen, weil ja mittlerweile alle Wohnungen vergeben sind und ja schon Leute fix hier wohnen. Und als er am Donnerstag gekommen ist, ist das Wasser ja auch schön geplätschert. Er ist Amateurastronom und erzählt mir Sachen von denen ich bis heute gar nichts gewusst habe. Er erklärt mir Sternenhaufen (M13, M20 usw.), Galaxiekonstellationen, wie die Erde entstanden ist und er fest davon überzeugt ist, dass unter den 300 Millionen Sonnensystemen irgendwo intelligente Lebewesen existieren. Nur Sichtungen von Ufo’s bzw. Außerirdischen glaubt er absolut nicht. Das näheste Sonnensystem ist 25.000 Lichtjahre entfernt. Würde man mit Lichtgeschwindigkeit fliegen können (was physikalisch nicht möglich ist) würde man 25.000 Jahre fliegen. Und wenn die dann nach so einem Trip auf der Erde landen würden, würden die ganz sicher nicht in einem Wald landen und nach zehn Minuten wieder wegfliegen. Das klingt logisch.

Als es finster wird, zeigt er mir am Himmel einige Sternzeichen, die Venus und den Jupiter. Die beiden leuchten echt extrem hell und stehen genau gegenüber. Wahnsinn, hätte ich nie gedacht, dass mich Astronomie einmal interessieren könnte. Die Zeit vergeht so schnell, dass es bereits ca. 20:00 Uhr ist, als plötzlich Marion, die Nachbarin, die die Wohnung unter mir hat, auf die Terrasse kommt und uns fragt, ob wir Wasser haben. Willi und ich schauen nach – auch nichts, es kommt nur Luft aus dem Wasserhahn. Jetzt haben wir ein Problem! Kamel, der Houseboy, ist auf Urlaub. Ist nur die Pumpe ausgefallen oder ist der Wassertank leer? Wir „bewaffnen“ uns mit Taschenlampen und gehen zur Pumpe. Die läuft nicht! Auf zu den Sicherungen, doch die sind alle o.k.. Ich frag Marion, ob sie weiß wo der Wassertank ist. „Das müsste der Deckel bei der Stiege sein“. Ich finde ihn und leuchte mit der Taschenlampe in den Wassertank. Ein riesiger gemauerter Raum liegt unter mir, doch wo ist das Wasser? Ich erkenne im Strahl der Taschenlampe ganz unten ca. 3-4 cm über dem Boden den Wasserspiegel. Der Tank ist l e e r!! Was tun wir jetzt – ab morgen beginnen die Feiern zum Abschluss des Ramadan, da geht für 3 Tage gar nichts. Wir rufen Markus in Deutschland an, doch da meldet sich um diese Zeit niemand mehr. Marion ruft ihre Freundin an, ihr Mann ist Ägypter und hat einmal bei den Wasserwerken in Hurghada gearbeitet. Vielleicht kann der uns helfen, dass wir h e u t e noch einen Tankwagen bekommen. Ich ruf Dirk an, und frag ihn ob er ein paar Ägypter fragen kann, ob die wen kennen, der uns weiterhelfen kann. Während wir auf die Rückrufe warten und überlegen, wie wir sonst noch zu Wasser kommen, ruft Markus an. Er hat den Anrufbeantworter noch abgerufen und unsere Notlage gehört. Er hat sich sofort mit Kamel telefonisch in Verbindung gesetzt und dieser hat ihm Versprochen, sich darum zu kümmern. Spätestens morgen kommt der Tankwagen. Wir sollen ihn bitte vorfinanzieren, er kommt gegen Ende des Monats und gibt es uns zurück. Sind wir erleichtert! Während Marion ihre Freundin und ich Dirk anrufe, um alles abzublasen, kann sich Willi ein Schmunzeln nicht verkneifen. Jetzt hat er erst vor ein paar Tagen seiner Frau am Telefon gesagt, das dieses Mal mit dem Wasser alles klappt und nun das. Wir bleiben auf der Terrasse sitzen um zu hören wenn der Tankwagen doch noch heute kommt. Marion lebt schon seit 4 Jahren in Hurghada und ist im Juli von Sakalla hierher übersiedelt. Sie erzählt uns einiges von der Mentalität und der Arbeitsmoral der Ägypter und hat einige gute Tipps parat. So plaudern wir bis ca. halb zwölf in der Nacht. Heute kommt der Tankwagen sicher nicht mehr, es wird morgen werden. Die Feiern beginnen übrigens nicht morgen sondern erst am Donnerstag. Marion muss morgen zur Arbeit, Willi will am letzten Urlaubstag nochmals zum Strand, so übernehme ich die Aufgabe, auf den Tankwagen zu warten. Ich bin sowieso zu Hause. Wenn nämlich niemand da ist, der ihm das Wasser bezahlt (in der Regel ca. 200 bis 250 Pfund = ca. 70 bis 80 Euro für 10.000 Liter!!!), fährt er unverrichteter Dinge wieder! Jetzt fließt auf einmal wieder Wasser! Wahrscheinlich ist aufgrund des niedrigen Wasserstandes die Pumpe zu warm geworden und hat sich ausgeschaltet. Gott sei Dank, etwas Wasser fließt. Auf eine Dusche, bzw. zu viel Wasserverbrauch wollen wir heute trotzdem verzichten. Wir verabschieden uns und gehen in die Wohnungen zurück.

Ich bleib noch etwas im Wohnzimmer sitzen und lasse die paar Tage nochmals kurz an mir vorüber ziehen. 5 Tage bin ich jetzt hier, es ist schon einiges passiert. Schön langsam vergeht auch das Urlaubsgefühl, ich muss mich ja um Alles selbst kümmern. Ich glaub ich bin schneller „angekommen“ als ich dachte. Aber es macht mir Riesenspaß, diese Herausforderung anzunehmen und je länger ich hier bin, desto wohler fühle ich mich. Ich bin mir sicher, ich hab die richtige Entscheidung getroffen.

Mittwoch, 8. September – Tag 6:

Manche Tage sind wie ein Griff ins Klo – heute ist so einer!

Nach dem Frühstück und dem e-mail bearbeiten beginnt das Warten. Wann wird der Tankwagen kommen? Marion ist schon früher zur Arbeit gefahren, sie hat zwar diese Woche Urlaub, aber sie muss heute Vormittag etwas im Hotel erledigen. Willi ist auch schon am Strand und so bin ich alleine. Ich bereite mich auf das morgige Treffen mit Hrn. Schulte, dem Gebietsleiter von Thomas Cook und Neckermann Reisen vor. Nebenbei hab ich aber immer ein Ohr nach draußen gerichtet, ob ich den Tankwagen höre. Je später es wird, desto nervöser werde ich. Ich gehe auf die Dachterrasse, von da habe ich einen besseren Überblick. Ich sehe einen Tankwagen die Zufahrtstraße raufkommen, na endlich. Doch er fährt weiter und biegt erst eine Straße später ein, um eine andere Villa zu betanken. Naja, vielleicht kommt er ja dann zu uns. Nachdem er fertig ist fährt er weg, aber nicht zu uns. Danach tut sich nichts. Kurz nach 12 kommt Marion nach Hause. Sie sagt mir, dass die Tankwagen nur bis 15:00 Uhr ausfahren dürfen, danach ist Schluss. Wir beschließen noch bis spätestens 14:00 Uhr zu warten und dann erneut Markus anzurufen. Um halb zwei schreib ich Markus ein mail, dass sich noch nichts getan hat. Kurz darauf kommt die Antwort, dass er noch einmal mit Kamel gesprochen hat und der jetzt alles in die Wege leitet. Jetzt kommt auf einmal Bewegung in die Sache. Es klopft an der Türe und als ich aufmache, steht so ein kleiner Ägypter vor mir. Von Kopf bis zu den Zehen angekleckert mit weißer Farbe, versucht er mir zu erklären, dass ihn Kamel angerufen hat und in 5 Minuten der Tankwagen hier sein soll. Inzwischen taucht auch der Vertreter von Kamel auf. Die beiden unterhalten sich noch auf arabisch, dann verschwindet der kleine Malermeister. Ich denk mir noch: „jetzt weiß ich auch warum meine Badezimmerfliesen so ausgeschaut haben. Die haben ja mehr Farbe rundherum als auf der Decke oder Wand“. Gemeinsam mit dem Vertreter warte ich auf den Tankwagen, doch der kommt auch nach einer Viertelstunde noch nicht. Da fragt er mich, worauf wir eigentlich warten?!?! Ich sag nur: „WATER – THE TROLLEY WITH WATER!!!“ Da meint er nur „the water is running, look“ und zeigt mir demonstrativ, dass in seiner Wohnung der Wasserhahn läuft. Ich glaub, ich dreh durch! Ich sag „yes, but come with me“. Ich nehm die Taschenlampe zerre ihn zum Wassertank und leuchte hinein! Jetzt dürfte er begreifen, er ruft Kamel an, redet ein paar Worte mit ihm und gibt mir dann das Handy. Kamel spricht ziemlich gut englisch und so kann ich mich ganz gut mit ihm unterhalten. Er erklärt mir, dass der Tankwagen morgen kommt! „Tomorrow“ brülle ich zurück, „weißt du denn nicht dass die nächsten drei Tage nichts geht“. „o.k. – then on Sunday“ kommt es ganz gelassen zurück. Jetzt raste ich aus, doch in dem Moment fällt mir ein, dass Schreien bei Ägyptern überhaupt nichts nutzt. Ich erkläre ihm noch einmal ganz ruhig unsere Situation und weise ihn ganz bestimmt darauf hin, dass wir heute noch eine Wasserlieferung brauchen. Er verspricht mir alles zu regeln. Sein Vertreter zieht sich wieder in Kamels Zimmer zurück und so warte ich alleine auf den sehnsüchtig erhofften Tankwagen. Nach ca. 20 Minuten biegt von der Hauptstraße ein Tankwagen ein, ich beginne zum Kreisverkehr zu laufen. Doch schaffe ich es nicht vor ihm da zu sein, er fährt weiter, dreht nach ca. 500 Meter um und kommt auf mich zu. Ich fuchtle wie wild mit den Armen und deute immer wieder in die Richtung unserer Villa. Da deutet er mir zurück, er hat mich also bemerkt. 50 Meter vor mir biegt er in unsere Richtung ab. Ich denke mir „o.k. er fährt auf der Asphaltstraße und kommt dann von der anderen Seite“. Ich gehe schweißüberströmt zurück zur Villa, doch der Tankwagen kommt nicht! Ich beginne ihn zu suchen, doch ich kann ihn nirgendwo finden – das gibt es doch nicht – ein Tankwagen kann sich doch nicht in Luft auflösen! Es war aber so – ich warte noch bis 15:30 Uhr, dann gebe ich auf. Willi kommt zurück vom Strand und ich erzähle ihm die Geschichte. Er schüttelt den Kopf und wir verziehen uns enttäuscht in unsere Wohnungen.

Ein Unglück kommt selten alleine!

Zurück in der Wohnung aktiviere ich den Laptop um das Resultat Markus zu mailen. Da sehe ich, dass einige mails von Schenker Ägypten und Deutschland gekommen sind. Ich schreibe Markus kurz und lese mir dann die eingegangenen mails. Der Ägypter quält mich ja schon seit Tagen mit so komischen Fragen wie: Sind die Buggies zum Weiterverkauf bestimmt, sind die T-Shirts zum Weiterverkauf bestimmt oder ist das nur eine Uniform usw. Doch was er jetzt will schlägt alles: die Etiketten in den Shirts, sprich der Anteil an Baumwolle, die Waschhinweise und was halt da noch alles draufsteht müssen in ARABISCH sein, sonst kann ich die nicht importieren!!!! Ich glaub ich spinne! Dann schaue ich mir das mail von Hrn. Noffz von Schenker Deutschland an. Der nächste Schock: da Teile der Kinderwägen aus China sind, kann er einen Import nach Ägypten nicht garantieren!!! Ich breche fast zusammen. Silvia hat ihm zwar gleich harsch geantwortet, dass er schon seit drei Wochen das Ursprungszeugnis und alle Dokumente hat und erst jetzt dieses Problem sieht, aber er hat darauf nicht mehr geantwortet.   Das ist das A U S meiner Träume.

Nach dem ersten Schock beschließe ich nicht so leicht aufzugeben. Ich werde mich erst einmal erkundigen, was wirklich Sache ist. Marions Freund ist Ägypter und kommt am Samstag oder Sonntag von seiner Familie in Kairo zurück. Er kann sehr gut deutsch und ich werde einmal mit ihm reden, was ich machen kann. Für heute habe ich genug, ich fahre in den Jazzclub und gieße mir ein paar Bier in die Binde.

Donnerstag, 9.September – Tag 7:

Heute hab ich den ersten Geschäftstermin. Um 10:00 Uhr ist der Termin. Ich gehe rechtzeitig weg und nehme mir ein Taxi zum „Bright Sky Tower“. Um 9:45 Uhr bin ich dort  und gehe in die Lobby. Ich gehe zum Portier und sag“ i have a meeting with Mr. Schulte“. „Sorry, there is no Mr. Schulte“ entgegnet mir der Portier, nachdem er in einer Telefonliste gesucht hat. „There must be a Mr. Schulte, Lars Schulte“! „ Oh, Mr. Lars – please wait, he will come in a few minutes“. O.k. – wieder was gelernt – hier zählen anscheinend wirklich nur die Vornamen. Nach ein paar Minuten kommt Mr. Lars. Ein gut aussehender, dynamisch und sympathisch wirkender jüngerer Mann. Wir gehen in den ersten Stock. Bevor wir in sein Büro gehen, stellt er mir einmal alle Mitarbeiterinnen seiner Abteilung vor. Nachdem wir uns an den Konferenztisch gesetzt haben, beginne ich mich und die Idee von Silvias Buggyservice vorzustellen. Ich bin noch gar nicht fertig, kommt schon die für ihn wahrscheinlich wichtigste Frage „ Wie viel Kommission fällt für uns ab“! Ein beinharter Geschäftsmann, denke ich mir, nenne ihm eine Zahl, sehe wie er kurz nachdenkt und danach kommt von ihm das entscheidende „O.k., da können wir weiterreden“! Er erklärt mir kurz, dass er normalerweise alles was mit Ausflügen oder Transport zu tun hat mit dem Partner „Bright Sky“ abwickeln muss, aber da es hier nicht um Ausflüge geht, kann er das Geschäft wahrscheinlich ohne Bright Sky machen. Und für diesen Fall ist auch die Kommission o.k. Er muss das aber erst mit der Firmenleitung in der Schweiz abstimmen. Wenn er einsteigt, erklärt er mir, dann gleich mit Vollgas. Dann nimmt er seine Jungs gleich ordentlich in die Mangel, dass die das verkaufen – anders geht es bei den Ägyptern nicht!! Na gut denk ich mir, dass hört sich ja gut an. Ich erzähl ihm noch von den Lieferschwierigkeiten die sich ergeben haben, doch das betrachtet er als normal – inshallah!! Nachdem ich ihm noch 2 Visitenkarten (er trifft sich morgen mit dem Gebietsleiter von TUI und da will er auch mit dem sprechen) und die Reiseleiter Infos gebe, verbleiben wir, dass ich ihn rechtzeitig anrufe, wann ich Lieferfähig sein werde. Bis dahin hat auch er alles geklärt. Nach gut einer Stunde verabschiede ich mich von ihm. Ich hab ein gutes Gefühl im Bauch. Das erste Gespräch, noch dazu mit so einem knallharten Geschäftsmann, habe ich ziemlich gut absolviert. Wenn es nicht gut gewesen wäre, hätte er mich wahrscheinlich gleich rausgeschmissen.

Ich bummle etwas durch „New Hurghada“ bis runter zur Tauchbasis. Ich will mir mein Equipment für morgen zurechtrichten, das lagert ja jetzt schon seit Mai hier. Im Office ist heute Bernhard, der Stellvertreter von Dirk. Ich fülle den Anmeldungsbogen aus, er gibt mir den Schlüssel für den Kasten und dann hol ich mir meine Sachen. Mahmoud ist mir dabei behilflich. Er erkennt mich natürlich gleich wieder, er hat mich im Mai jeden Morgen vom Hotel abgeholt und in die Basis gefahren. Ich checke mein Equipment und verstaue es so wie gewohnt in einer Plastikbox, sodass ich morgen früh keine Arbeit mehr habe. Danach habe ich genügend Zeit um mit Mahmoud zu plaudern. Er wirkt ziemlich müde und er bestätigt es mir, als ich ihn darauf anspreche. Der Ramadan ist eine harte Zeit. Den ganzen Tag nichts essen ist hart, nichts trinken jedoch viel, viel härter!! Taucher verbrauchen pro Tauchgang ca. 1 Liter Flüssigkeit (aufgrund der trockenen Atemluft) und darum wird immer wieder gepredigt, viel zu trinken. Er macht auch im Ramadan seinen Job als Tauchguide mit 2 Tauchgängen pro Tag aber ohne einen Schluck zu trinken! Er weiß, dass das nicht gesund ist, aber der Glaube verbietet es ihm! Auch der Schlaf ist im Ramadan sehr schlecht. Durch das späte trinken und essen wacht er in der Nacht oft auf. Aber es sind ja nur mehr 3 Stunden, dann ist für heute und auch für heuer der Ramadan vorbei!! Irgendwann im Gespräch erzählt er mir, dass sein Handy kaputt ist und er sich kein Neues leisten kann. Ich sag ihm, dass ich ihm morgen mein Samsung mitnehme und er das behalten kann, weil ich ja jetzt mein Blackberry habe. Da beginnen seine Augen zu leuchten als hätte der Ramadan keine Spuren hinterlassen.

Danach fahre ich mit dem Minibus nach Sekalla. Diese Minibusse haben keine Fahrpläne, d.h. keine fixen Stationen und keine fixen Abfahrtszeiten. Sie sind das Taxi der Ägypter. Diese sind auch nicht in die Kategorie „Öffis“ eizuordnen, sondern sind private „Sammeltaxis“. Ob man dafür eine eigene Lizenz braucht kann ich nicht sagen, ich glaube aber schon, denn sie werden öfters von der Polizei kontrolliert und jeder hat in der Sonnenblende eine Plastikkarte stecken, die er dann vorweist. Wenn einer kommt, winkt man kurz und er bleibt stehen. Du sagst dem Fahrer wo du hinwillst und er nickt. Dann geht die Tür auf, eingestiegen und los geht’s. Das geht solange, bis er voll ist. Wenn einer aussteigt, wird der Nächste der winkt wieder mitgenommen. Diese Busse sind meistens zum Bersten voll. Im Bus ist meistens ein zweiter Ägypter, der die Tür bedient und das Geld einsammelt. Für die Strecke nach Sekalla verlangen die meisten Taxler 30 bis 50 Pfund. Touristen freuen sich dann, wenn sie ihn auf 20 bis 30 Pfund runterhandeln. Einheimische, bzw. hier lebende Ausländer geben 10 Pfund, laut Taxameter (hab ich im Mai erlebt) sind es gut 7 Pfund. Im Minibus zahlt man 2 Pfund für die Strecke, die ca. 7-8 km lang ist. 2 Pfund sind ca. 30 Cent!!

Ich kaufe in einem Tauchshop ein paar Kleinigkeiten und bummle dann etwas abgelegen der Hauptstraße durch Sekalla. Hier ist nichts mehr vom Touri-Rummel zu spüren – hier geht es noch ägyptisch zu. An manchen Ecken werden schon Hähnchen und Fleisch für den Abend gegrillt und man merkt den Leuten an, dass sie immer besser gelaunt werden, je später es wird. Ich genieße den Stadtbummel und lasse diese Stimmung und diesen Flair so richtig auf mich einwirken. Ja, es liegt viel Müll überall, es liegen Rauchschwaden von Feuern, in denen wahrscheinlich Müll verbrannt wird, in der Luft und es stinkt zeitweise auch, aber es gefällt mir. Mittendrin steht ein Oldtimer. Ich weiß nicht welche Marke das ist, er schaut auch etwas heruntergekommen aus, aber er weckt mein Interesse. Das wär doch DAS Gefährt um meine Buggys auszuliefern. Damit würde ich sehr schnell in ganz Hurghada bekannt werden. Ich gehe ein paar mal um ihn herum, mach ein paar Fotos, doch niemand kommt. Normalerweise stürmen zig Ägypter auf dich ein, wenn du für was Interesse zeigst, doch hier kommt niemand! Aber ich werde den nicht aus den Augen verlieren, ich will den haben!

Ich kauf mir noch für ein paar Pfund echte Ledersandalen und fahr dann mit dem nächsten Minibus zurück. Im „Jazzclub“ ist es wieder gerammelt voll aber ich ergattere noch einen Sitz neben Manni. Er ist auch morgen am Boot. Dirk erwähnt nochmals, dass wir die Uhr heut Nacht umstellen müssen. Nach dem Ende des Ramadans, wird die Uhr wieder auf Sommerzeit, sprich eine Stunde zurück, gestellt – für drei Wochen!! Was tun die Ägypter nicht alles für die Touristen, damit diese eine Stunde länger am Strand genießen können.

Nach einem Schlummertrunk und etwas Plaudern fahre ich gegen 9 Uhr nach Hause. Morgen ist um 7 Uhr Tagwache, da ich um 8 Uhr bei der Tauchbasis sein muss. Ich freue mich schon auf morgen.

Dienstag, 21. September – Tag 19:

Führe ein längeres Gespräch mit einer Dame einer Import/Export Firma, und die klärt mich über die Importmöglichkeiten auf, jetzt glaub ich, hab ich es begriffen. Importieren dürfen nur lizenzierte Firmen. Die müssen als Empfänger angegeben werden. Als nicht lizenzierte Firma darfst du nicht als Empfänger draufstehen. Importlizenzen werden nur sehr selten vergeben. Soweit die Fakten.

Wenn mir das gleich jemand von Schenker gesagt hätte, hätte ich mir wahrscheinlich den ganzen Wirbel erspart, aber nachdem das keiner gesagt hat, haben wir als Adresse Silvias Buggy Service überall eingetragen. Darum bombardierten mich in Summe 3 Leute von Schenker Kairo, die unbedingt diese Dokumente haben wollten, weil sie annahmen, dass ich die Lizenz habe, sonst würde ich ja nicht als Empfänger draufstehen. Der Typ von Schenker Deutschland kennt sich überhaupt nicht aus und hat immer nur versucht zu vermitteln. Darum bin ich ja auch zum Anwalt und wollte so schnell als möglich die Firma anmelden, dass ich diese Dokumente kriege (dachte ich - gekriegt hätte ich die so wie so nicht!)

 Stand der Dinge momentan: ich frage Schenker Deutschland, ob sie die Lizenz haben, dann mach ich es mit ihnen (Schenker als Empfänger umschreiben) sonst mach ich das mit der ägyptischen Firma. Das wäre vorerst mal geklärt.

Ein offener Punkt sind noch zwei Dokumente, die es bei uns nicht gibt! Die wollen eine CIP (Certification Inspection for Quality) und ein Händlerlizenz vom deutschen Händler, weil die Buggys ursprünglich (zumindest Teile davon) aus China stammen. Normal reicht überall auf der Welt ein beglaubigtes Ursprungszeugnis. Das habe ich, scheint aber den ägyptischem Zoll zu wenig zu sein!! Mal schauen - inshalla - bakshish!!

Mittwoch, 22. September – Tag 20

Die Firmengründung hab ich gestern um 3:00 Uhr nachts!!! noch storniert. Hab ihm geschrieben, dass es Probleme gibt, ich nicht weiß ob ich die Buggys bekomme und evtl. zurück nach Ö zurück muss (was ich natürlich nicht vorhabe). Aber nach dem ich dann nicht mehr so unter Zeitdruck bin, kann ich Preisverhandlungen mit anderen Anwälten machen. Bin jetzt schon so gut im Preisfeilschen, ich glaub, sollte ich je zurück nach Österreich kommen, würde jeder Einkaufschef eine Freude mit mir haben – lach.

Von Schenker bekomme ich die Antwort, sie haben die Lizenz – o.k. damit ist einmal diese Hürde geschafft. Ich schreibe zurück, dass ich es mit Schenker durchziehen will, aber ich kein CIQ beilegen kann. Dieses Dokument gibt es nicht, und das es nicht sein kann, das in Ägypten andere Regeln gelten als überall auf der Welt. Ich bekomme als Antwort: es geht! Allerdings brauchen wir eine andere Abwicklung: „swift trading“! Ich habe zwar keine Ahnung was das wieder ist, aber es muss eine besondere Art des Imports sein – es kostet mich ca. 470 Euro mehr, aber es geht ohne CIQ. Entweder wird das vor Ort dann ausgestellt, oder was ich eher Glaube, es dient als Bakshish für die Zöllner. Aber was soll ich machen – ich brauch die Buggys.

Am Nachmittag nehme ich mir den Satelliten-Receiver und Fernseher vor. Ich bekomme aber trotz „try and error“ kein Signal. Ich hole mir Kamal, doch auch er bekommt es nicht hin. Dann holt er einen Receiver aus einer anderen Wohnung, und siehe da – es geht. Der Receiver ist kaputt! Er borgt mir diesen weil ich ihm verspreche, mir in den nächsten Tagen einen Neuen zu kaufen. Ich muss sowieso am Abend nach Sakalla um etwas einzukaufen, da werde ich gleich schauen.

Donnerstag, 23. September – Tag 21

Habe mir gestern in einem „Elektro-Fachgeschäft“ einen neuen Receiver gekauft und will jetzt das Ding zum gehen bringen. Erster Schock: die Bedienungsanleitung ist arabisch! Naja, für was gibt es Internet. Doch obwohl ich auf die Herstellerseite komme, gibt es keinen Service, wo ich Bedienungsanleitungen in englisch downloaden kann. Shit – es bleibt nur probieren! So spiele ich mich den ganzen Tag mit den beiden Geräten und bis Abend ist es mir wirklich gelungen, einige deutsche und österr. Sender hereinzubekommen. Sogar ORF 2 funktioniert! Nur ORF 1 oder RTL bekomme ich nicht herein. Schade, gerade die wollte ich, wegen dem bevorstehenden Formel 1 – Wochenende.

Samstag, 2. Oktober – das 1. Monat in Hurghada

Wenn ich das vergangene Monat so Revue passieren lasse, kann ich folgende Bilanz ziehen:

-         Ich bin viel, viel gelassener geworden, mich regt bei weiten nicht mehr so viel auf wie früher. Was hab ich mich aufgeregt über Kamal und die Wassersache, war unnötig – es ist trotzdem gegangen. Drum reg ich mich auch über die Spedition nicht mehr auf – es wird schon irgendwie gehen – inshalla!

-         Ich fühlte mich schneller zu Hause, als ich gedacht habe. Nach den ersten Tagen im „Dreck“ fühl ich mich spätestens seit der Aktion „Wohnungsputz“ wohl und nehme mittlerweile den Staub als gegeben hin. Ich bin in den letzten Wochen zum Meister im Kakerlakenmorden geworden (4 Stück stehen schon auf meiner Strichliste) und hab es mir abgewöhnt im Freien Fliegen zu bekämpfen. Erfreulich: es gibt keine Spinnen hier, ich hab jede Menge Sand und Dreck (inkl. toten Käfern und Kakerlaken) gefunden, aber keine Spinnen oder Spinnweben.

-         Mittlerweile wedelt Bruno mit dem Schwanz, wenn er mich sieht, und ich streichle ihn, als wenn wir uns schon Ewigkeiten kennen würden.

-         Seit dem Kauf des neuen Receivers bekomm ich jede Menge TV-Programme, nur RTL fehlt mir, wegen Formel 1

-         Ich habe wunderschöne Tauchgänge gemacht und auch so eine wunderschöne Zeit gehabt

-         Ich hoffe, dass die Kinderwägen bald kommen, und ich dann aktiv werden kann – schön langsam wird’s ein bisserl fad – das Nichtstun, den ganzen Tag.

-         Ich denke noch viel an Euch in der „fernen Heimat“, aber ich hab derzeit noch kein Heimweh. Ich hoffe das bleibt auch so.

Kurz, ich fühle mich hier irrsinnig wohl, und es geht mir gesundheitlich viel besser als in Österreich. Ich führe im Prinzip schon das Leben (mit Ausnahme der Firma), dass ich mir mit diesem Schritt erhofft habe. Kein Stress, ich kann Tun und Lassen was ich will und mir wird von niemanden mehr etwas vorgeschrieben.

Wenn jetzt auch noch die Firma so anläuft wie ich mir das vorstelle, dann habe ich das Paradies auf Erden.

Samstag, 16.10. 6 Wochen in Hurghada:

 

Hallo liebe Freunde, es gibt Neuigkeiten.

 

Ich habe die ersten 2 Kinderwägen! Nicht aus der Lieferung – die stehen noch in Alexandria! Habe ich mir hier gekauft. Sind zwar gebraucht, aber voll in Ordnung. Die Mutter ist eine Deutsche und hat beide Wägen in Deutschland gekauft. Deutsche Qualität (Marke Teutonia) und super gepflegt. Mit Zusatztasche und allen Drum und Dran.

 

Auch beim Import scheint sich eine Lösung abzuzeichnen. Vielleicht gelingt es bis Ende nächster Woche.

 

Ein paar Kuriositäten möchte ich euch auch nicht vorenthalten:

 

Ich war das erste Mal in meinem Leben Burger-Essen! Nicht beim Mäcki, sondern bei Burger-King und muss sagen, zur Nahrungsaufnahme geht sogar das. Man wird satt, dass „Erlebnis Essen“ ist aber nicht da. Es fehlt das Ambiente und der Geschmack. Ich werde mich daher wieder um andere Möglichkeiten, die es genug gibt, umschauen.

 

Auch das zweite Paar Sandalen ist innerhalb von 3 Tagen kaputt gegangen. Hab ich mir zwar extra in einem Schuhgeschäft gekauft, aber das ist wahrscheinlich wurscht! Der hat mir 100% versichert, dass die genäht und nicht geklebt sind. Waren auch um einiges teurer, aber ich hab mir gedacht, o.k. wenn die halten. Doch nach 3 Tagen haben sich die Sohlen gelöst und die Sandalen in ihre Bestandteile aufgelöst. Dem werde ich ihm heute die Sandalen um die Ohren hauen!! Ja – 130 Pfund sind zwar nicht die Welt, aber für 3 Tage!!! - Sauerei

 

Und vorgestern hatte ich beim Einkaufen in Sakalla das erste Treffen mit einem schwulen Ägypter! Er hat mich normal begrüßt und mir normal die Hand gegeben, doch fing er an, mit dem Mittelfinger meine Handfläche zu streicheln. Dann hat er mich gefragt ob ich mit ihm mitgehe bzw. wo ich wohne, wegen einem Treffen am Abend. Ich hab natürlich nein gesagt, aber ich dachte vorerst, er will mir eine russische Nutte andrehen. Erst später hab ich erfahren, dass es auch unter Moslems schwule Männer gibt, was ja eigentlich verboten ist!!

 

Donnerstag, 25.11. 12 Wochen in Hurghada:

 

Am Sonntag hab ich meinen Ohren nicht getraut. Ruft mich doch glatt um ca. halb Neun in der Früh ein Freund aus Linz an. Ich denk mir noch – ist der vom Samstag übergeblieben - bei euch ist es doch erst halb Acht! Ich heb ab und Adi sagt, „Setz dich ins Taxi und komm zu uns!“ Das war für mich endgültig der Beweis, dass er übergeblieben ist. „WAS willst!!! - Wie im Leben soll ich mit dem Taxi nach Linz kommen???? – Hast wahrscheinlich die falsche Nummer erwischt“ antworte ich ihm. Da sagt er mir, dass er, Margit, Helene, Karin, Günther und Walter in Hurghada, im Hotel Alibaba sind. Die Katastrophencrew – mit denen ich einige „Promille Urlaube“ in der Türkei hinter mir habe, sind hier – und das ohne Vorankündigung! Ich sage zu, und nach einer ausgiebigen Dusche fahre ich zu ihrem Hotel. Bei der Portierloge gibt es das erste Problem – „No Entrance for poeple who doesnt live here“!. Nach zig Telefonaten und einigen „Wanderungen“ meiner Freunde, schaffte es Karin über den Manager des Hotels, dass ich doch Zutritt bekam. Einzige Bedingung: ich muss alle Getränke bezahlen und darf nur im Innenbereich bleiben. Das war aber wirklich kein Problem – in Österreich ist der Frühschoppen auch meist drinnen!

 

Es war einfach traumhaft, Freunde aus der Heimat wieder zu sehen. Ich glaubte zwar zuerst, sie wollten mich überraschen, aber Adi und Walter sagten mir, sie hätten mich zig- mal angerufen, angemailt, per SMS usw. verständigt, aber ich hatte keine Info! Ich zeigte sogar Adi mein (sein Ex) Handy – es war nichts drauf! Komisch! Egal, wir haben uns getroffen und wir hatten alle eine große Freude. Es wurde ein Frühschoppen, der in einen Dämmerschoppen – nicht nur wegen der einbrechenden Dunkelheit am Abend – überging. Für mich war es ein super Tag – seit fast drei Monaten sah ich wieder „alte Freunde, bzw. bekannte Gesichter“. Am Mittwoch machen wir bei mir eine Grillerei und für Karin unbedingt den Besuch des „Hard Rock Cafe“.

 

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt:

 

1.) den Besuch des Hard Rock’s machten wir schon am Montag. Wir trafen uns um ca. 21:00 im HRC und verbrachten ein paar schöne Stunden bei ein paar „Pitcher Bier“. Nach einem abschließendem, kurzen Besuch im Jazz (schließlich waren ja alle neugierig auf mein neues „Stammtschecherl“) fuhren wir mit Taxis heim.

 

2.) Der Grillabend wurde auch nichts – leider haben wir momentan wieder einmal Probleme mit Kamal, unserem Boy. Er ist seit 4 Wochen weg und soll seit ein/zwei Wochen jeden Tag zurückkommen! Es kommt zwar alle paar Tage wer vorbei, der den Müll entsorgt, aber so richtig geputzt ist seit dieser Zeit nicht mehr geworden. Die Dachterrasse ist derzeit nicht benutzbar. Daher hat Karin alles so organisiert, dass ich um 19:30 Uhr zu ihnen komme. „Richi – Zimmernummer 5511“ – dieser Geheimcode wird mir beim Portier alle Türen und Tore öffnen! Es ist mit dem Hotelmanager alles ausgemacht!! Es war auch wirklich „easy“. Und nach der Meldung in der Rezeption, wo ich dem Kellner vorgestellt wurde („this guest had to pay“!) wurde ich schon herzlich von Walter und Co. Empfangen. Das erste Stella hab ich wirklich selber bezahlt, zu allen nachfolgenden bin ich eingeladen worden. Der Ouzo ging aufs Haus J. Reich beschenkt mit einem originalem Renken Speck und einem Flascherl „Reisetbauer Marillenbrand“ fuhr ich gegen Mitternacht zurück. Mehr darf ich hier nicht verraten, Adi will das alles selbst erzählen (lach). Ich möchte mich noch einmal bei euch bedanken, ihr habt den Speck und den „Marilli“ eigentlich für euch mitgenommen, aber euch dann vom „Mund abgespart“. Das war echt Spitze! Und dank Walter habe ich seit gestern auch ein richtiges Bierglas zu Hause – ein Stiegl muss es sein! Karin und Adi fliegen leider heute schon zurück, aber mit Helene hab ich gestern ausgemacht, dass wir uns in der nächsten Woche sicher noch mal Treffen und auch wieder ins Jazz gehen. Das hat ihnen so gefallen, weil es dort so gemütlich ist. Das freut mich natürlich ungemein.

 

So, heute und in den nächsten Tagen habe ich noch einiges zu erledigen. Am Sonntag muss ich den ersten Kinderwagen ausliefern – ich bin wirklich schon aufgeregt – aber da soll alles perfekt sein. Nachdem ich ja noch keine „Diensthemden“ habe, lass ich mir das auch noch machen, eine Adresse hab ich dank eines Bekannten schon bekommen. Heute am Abend hole ich mir den nächsten Buggy, denn meine bestellten stehen noch immer in Alexandria – es sind zwar alle Papiere jetzt da, aber die Zollformalitäten sind noch nicht abgeschlossen!!