Im Hotel


Die Hotelanlage:

die meisten Strandhotels sind großflächige, zwei- bis maximal dreistöckige Anlagen, die über bis zu 500 Zimmer verfügen. Der dadurch anfallende Platzbedarf spielte keine Rolle, war doch Hurghada damals noch komplett Wüste. Der Aufbau der Hotelanlagen ist meist gleich. Entlang der Strasse erstrecken sich die Eingangshalle, die Restaurants, die Küchen und viele vermietete Geschäfte. Im Innenhof befinden sich die Zimmergebäude, die meist in wunderbar gestaltete Gartenanlagen mit Poollandschaften oder künstlich angelegten Seen „versteckt“ sind. Daran anschließend befindet sich der Strandabschnitt, der die gesamte Breite des Hotels umfasst.

 

Durch die wachsende Hotelanzahl wurde aber in den letzten Jahren der Platz direkt am Meer relativ eng, sodass viele Hotelketten ihre neuen Hotels gegenüber bestehenden Anlagen am „Festland“ gebaut haben. Der Strand des Stammhotels wird dabei mitbenutzt und kann entweder direkt zu Fuß oder per Shuttle erreicht werden.

 

Aufgrund der weitläufigen Anlagen müssen sie damit rechnen, dass sie auch innerhalb der Anlage einige Kilometer Fußmarsch pro Tag zurücklegen. Gerade Gehbehinderte Personen und Eltern mit Kleinkindern sollten dies nicht unterschätzen und Vorsorge treffen.


Mein Tipp: Sehen sie sich VOR dem Bezug des Zimmers den Anlageplan an (den bekommen sie in den meisten Hotels mit dem Schlüssel ausgehändigt) und eruieren sie die Lage des Zimmers. Entscheiden sie anhand einiger einfacher Fragen ob sie dieses Zimmer beziehen wollen! Fragen sie sich selber: wie oft gehe ich vom Zimmer zum Restaurant – wo liegt das Nächste? oder bewege ich mich mehr vom Zimmer zum Strand? In manchen Hotels gibt es Room-Shuttles oder Boote die auf dem See fahren – fragen sie auch nach solchen Möglichkeiten. Wenn ihnen die Lage des Zimmers nicht zusagt, verlangen sie gleich ein Anderes. Wenn sie den Schlüssel schon haben und sie nach dem ersten Marsch zum Zimmer bereits verschwitzt und atemlos sind gehen sie zurück zur Rezeption und verlangen sie einen Zimmerwechsel. Wenn ein näheres Zimmer frei ist, werden sie dieses auch problemlos – auch ohne Bakschisch - bekommen.


Die Hotelkategorie:

natürlich gibt es auch in Ägypten Hotelkategorien, sogar sehr Strenge. Die Voraussetzungen sind wirklich umfangreich, der Fragenkatalog umfasst alle Bereiche des Hotels und sogar mancher Hoteltester aus Deutschland wäre damit überfordert. ABER, wie so oft in Ägypten wird das oft hintergangen. Viele Insider behaupten sogar, die Anzahl der Sterne hängt nur von der Größe und Ausstattung der Lobby ab! Das ist zwar sicher übertrieben aber die Lobby ist im arabischen Raum definitiv DAS Aushängeschild. Immerhin ist es der erste Blickfang den die Gäste bekommen und der soll gehörig Eindruck machen. Riesige Hallen, viel Marmor, prunkvolle Luster und vergoldete Säulen beeindrucken das Auge – der Gast soll sich fühlen wie im Märchen aus 1001 Nacht. Auch die Außenanlagen vermitteln meist weiter diesen Eindruck, aber oft endet dieser Traum bei der Eingangstür zum Zimmer. Spätestens da wird den meisten Gästen klar, dass die ägyptischen Sterne nicht direkt vergleichbar sind mit denen in Europa.

Viele Hotelzimmer sind eher rustikal eingerichtet. Dunkle Vollholzmöbel, gemusterte Fliesenböden und dunkle, dickere Vorhänge bestimmen meist den Raum. Das ist aber nicht „veraltet“ sondern großteils bewusst so. Holz ist in Ägypten sehr teuer (es muss importiert werden, da es hier kein Möbelholz gibt!) und gilt daher als Zeichen von Luxus. Auch Fliesenböden gelten als „gehobener Standard“ und sind gleichzeitig leicht zu reinigen und die Vorhänge dienen in den heißen Monaten als Sonnenschutz. Betrachten sie ihr Zimmer einmal aus diesem Blickwinkel und sie werden bemerken, dass sie in den meisten Hotels wirklich in Luxuszimmer wohnen.

Die meisten Bäder sind nicht nach westlichem Standard ausgestattet. Es gibt relativ selten Bademöbel sondern meist sind hier die Waschtische aus Stein oder Marmor. Dusche oder Badewanne mit Duschgelegenheit ist fast in jedem Bad vorhanden. „Stehklos“ gibt es nur in privaten Wohnungen, in den Hotels gibt es flächendeckend „normale WC’s“. Ein wesentlicher Unterschied zu Europa ist die Wasserversorgung. In Ägypten basiert die Versorgung fast ausschließlich über Wassertanks, aus denen per Pumpe das Wasser in die Zimmer gepumpt wird. Daher fällt bei einem Stromausfall auch die Wasserversorgung aus. Die meisten Hotels haben zwar Notstromaggregate aber wundern sie sich nicht, wenn beim Duschen plötzlich das Wasser versiegt. Meist dauert es einen Moment bis das Notstromaggregat anspringt. Auch der Wasserdruck ist nicht so hoch wie bei uns und wenn gleichzeitig viele duschen gehen, kann es schon vorkommen, dass die Pumpen überfordert sind und statt eines Strahles nur ein mickriges Rinnsal aus dem Duschkopf kommt.

 

Immer wieder hört man die unterschiedlichsten Meinungen und Tipps zum Thema Wasser. Wasser ist in Hurghada ein seltenes und daher relativ edles Gut. Es gibt hier kein Grundwasser und somit keine Brunnen, das Wasser kommt vom Stausee des Assuan Staudammes. Es wird die ca. 300 km durch Rohrleitungen hergepumpt. Hier wird es dann im Wasserwerk Hurghada aufbereitet und dann per LKW-Tanker oder immer öfter durch Rohrleitungen zu den Tanks der Hotels oder Villen gebracht. Die Wasserleitung ist aber nicht 24 Stunden einsatzbereit, sondern meist nur einige Stunden pro Woche in denen der Tank gefüllt werden muss. Daher setzen die meisten Hotels noch immer auf die alte Technik der Tankwägen. Das Wasser an und für sich wird im Wasserwerk gereinigt und aufbereitet, da man aber den hygienischen Verhältnissen in den Tankwägen und Wassertanks nicht trauen kann, sollte das Wasser nicht als Trinkwasser verwendet werden. Zum Duschen oder zum Zähneputzen kann man es aber ohne Bedenken verwenden.


Apropos Hygiene, im Grossen und Ganzen gibt es in den meisten Hotels mit Hygiene und Sauberkeit keinen Anlass zu Beanstandungen. In den meisten Hotels haben sie einen Zimmerboy der für sie zuständig ist, d.h. er ist ihr Ansprechpartner für alle Dinge im Bereich Zimmer. Ob es sich um zur Neige gehendes Toilettenpapier, eine nicht aufgefüllte Minibar oder um ein nicht gewechseltes Handtuch handelt, er ist ihr immer für sie da. Der Zimmerboy stellt sich meist beim Bezug des Zimmers persönlich vor, oft finden sie auch im Zimmer ein Kärtchen mit seinem Namen, auf alle Fälle ist er meist fast rund um die Uhr in der Nähe ihres Zimmers. Dazu zählt auch das er nicht nur einmal am Tag ihr Zimmer putzt, er klopft auch an ihrer Zimmertüre wenn er mitbekommt, dass sie vom Strand zurückkommen, um sie zu fragen ob alles in Ordnung ist. Wundern sie sich auch nicht, wenn sie auf ihrem Bett Skulpturen aus gefalteten Handtüchern vorfinden, gute Zimmerboys versuchen alles um ihnen den Aufenthalt so angenehm als nur möglich zu machen, schließlich erhofft er sich ja ein Trinkgeld. Scheuen sie sich also nicht ihn anzusprechen.

 

Da wir gerade beim Thema Trinkgeld sind. Ich werde sehr oft gefragt, „wen, wie viel, wann usw.“. Dies kann man nicht im Allgemeinen beantworten. Aber dazu ein paar Anregungen:

 

  • Geben sie Trinkgeld nur für Dienste, für die sie auch zuhause Trinkgeld geben würden. Nur weil einer „die Hand aufhält“ ist kein Grund Trinkgeld zu geben.
  • Da die Leute hier sehr wenig verdienen ist Trinkgeld ein großer Teil ihrer Bezahlung. Ein Zimmerboy bekommt im Durchschnitt ca. 50 bis 60 Euro Monatslohn, d.h. für eine Woche Urlaubsaufenthalt ist ein Trinkgeld von 10 bis 15 Euro angemessen.
  • Geben sie Trinkgeld wenn möglich in Pfund, da „normale Ägypter“ nicht auf der Bank wechseln können und er am Schwarzmarkt viel schlechtere Umwechselkurse bekommt. Wenn sie schon in Euro Trinkgeld geben, vermeiden sie auf alle Fälle Münzen! Diese werden generell nicht gewechselt, darum werden sie auch oft angesprochen ob sie Münzen auf Scheine wechseln können. Lieber einmal 10 Euro als täglich 1 Euro!
  •  Viele Gäste geben erst am Ende ihres Urlaubs Trinkgeld, was ja im Prinzip nicht verkehrt ist. Aber sie werden sehen, wie sehr sich ihr Boy um sie kümmert wenn sie ihm schon am Beginn etwas Trinkgeld geben. Das hat nichts mit „Kaufen“ zu tun sondern ist für ihn einfach eine zusätzliche Motivation.
  • Durch die vielen All Inklusive Angebote sind viele Hotels auf Tipp-Boxes in der Rezeption umgestiegen. In vielen Hotels ist es auch üblich, dass alle Angestellten „ihr“ Trinkgeld abgeben müssen und dies dann aufgeteilt wird. Wie auch immer, über persönlich gegebenes freut sich jeder mehr. Als zusätzliche, persönliche Anerkennung mal eine Tafel Schokolade oder eine andere Kleinigkeit zu schenken ist sehr beliebt, aber soll das Trinkgeld nicht ersetzen. Seine Familie daheim kann sich davon kein Essen kaufen.

Geld bzw. Geldwechseln: in Ägypten ist die Währung der ägyptische Pfund, genannt "Gini" (LE, gelegentlich auch EGP oder EP). Der derzeitige Umrechnungskurs kann hier nachgelesen werden. Im Moment (Stand 08/2017) liegt der Kurs etwa bei 20,0 d.h. für 1 Euro bekommt man 20,0 LE. 20 LE sind daher in etwa 1 Euro. Wechseln braucht man in Europa gar nichts (kann man auch nicht, da normal keine ägyptische Pfund ins Ausland ausgeführt werden dürfen), es gibt flächendeckend Bankomaten, die hier, wie überall auf der Welt, ATM genannt werden. Auch von einem Geldwechsel in den Hotels oder Wechselstuben, meist mit hohen Gebühren, rate ich ab. Zieht lieber mit der Bankomatkarte vom Automaten Geld. Die Transaktionsgebühr der Bank habt ihr locker herinnen, weil ihr keine Wechselgebühren zahlen müsst und weil bei ATM Behebung normal der Mittelkurs berechnet wird.


Auch das Thema „Normale Verpflegung“ oder „All Inklusiv“ kann nicht generell Beantwortet werden. Es gibt bei Beiden Vor- und Nachteile. Ein paar kleine Denkanstösse zu diesem Thema möchte ich ihnen aber geben.

 

AI hat natürlich den Vorteil, dass sie ihre Urlaubskosten schon im Vorhinein genau kennen. Wenn sie zusätzlich nichts konsumieren wollen brauchen sie am Urlaubsort keinen Cent mehr. Für Familien mit Kindern eine tolle Sache. Es muss nicht jedes Getränk oder Eis extra bezahlt werden. Aber, wo ein Vorteil ist auch ein Nachteil: vergleichen sie die Preise in den Katalogen, denn oft zahlen sie für AI mehr als ihnen diese „Nebenkosten“ kosten würden. Maßgeblich dazu trägt auch die Preisgestaltung der Hotelbetriebe bei. Die Preise für Getränke, ein Mittagessen oder ein Eis sind im Hotel extrem teuer, tlw. über den vergleichbaren Preisen in Europa. Aus diesem Grund entscheiden sich viele Gäste spätestens beim zweiten Aufenthalt für AI. Geht man aber aus dem Hotel in die Bars oder Shops, die meist zum Gebäudekomplex des Hotels gehören, ist der Preis gleich sehr viel weniger (bis zu minus 70%!). Ein Nachmittagsspaziergang auf ein Eis oder das abendliche Gläschen Wein oder Bier außerhalb des Hotels hilft ihnen wesentlich dabei Kosten zu sparen.

 

Prüfen sie das Angebot. Wenn dies z.B. „nur einheimische Alkoholika“ beinhaltet ist Vorsicht schon angebracht. Zwar gibt es auch bei ägyptischen Bier und Weinen gravierende Unterschiede, richtig schlimm wird es aber bei den „harten Getränken“, die auch zum Mixen von Cocktails hergenommen werden. Einheimischen Ouzo, Brandy, Whiskey oder Gin bezeichnen wir als „Flugbenzin“, den man vielleicht zum desinfizieren von kleinen Wunden nehmen kann, aber nicht zum Trinken zu genießen ist. Diesen „Fusel“ kippen zwar die Russen literweise, aber die haben ja auch zu Hause nichts Besseres. Schauen sie sich auch die Zeitfenster der AI-Angebote an. Viele enden genau dann, wenn man nach dem Abendessen noch ein „Glaserl“ genießen möchte oder sind auf Orte beschränkt, wo ohne AI keiner hingehen würde.

 

AI muss sich auch für das Hotel lohnen, deshalb werden nur oder eher „Billigprodukte“ angeboten. Fisch ist nicht gleich Fisch, ein billiger Fisch aus einer asiatischen Zuchtfarm schmeckt dezidiert anders als ein frischer Fisch vom Fischmarkt in Hurghada. Auch beim Rindfleisch gibt es hier sehr große Unterschiede. Vom „Billigfleisch“, dass fast nur aus Knorpeln und Fett besteht (übrigens das beliebteste Fleisch der Ägypter) bis zum knorpel- und fettfreien Rindfleisch liegen extreme Preisunterschiede. Sogar bei den Beilagen wie Nudeln oder Reis ist ein wirklicher Geschmacksunterschied merkbar. Ich habe auch einige Monate gebraucht um die richtige Sorte von Spaghetti auszuwählen, deren Geschmack ähnlich den Produkten in Europa ist.

 

Und „last but not least“ ist der AI-Trend auch ein ökonomisches Problem. Ähnlich wie das „Greisslersterben“ durch die großen Supermärkte in Europa betrifft es hier die kleinen, aber feinen, Restaurants. Die Hotelketten versuchen alles um die Gäste im Hotel zu halten, das beginnt schon mit Drohungen beim Begrüßungscocktail („nur im Hotel sind sie sicher“ oder „Ausflüge sind nur bei uns sicher“), geht weiter bei der Information (besser gesagt Nichtinformation) auf die Frage an der Rezeption „Wo oder was kann ich hier außerhalb des Hotels unternehmen?“ und endet bei der Abschreckung der Gäste beim Hotelbus oder –Taxi. Angeboten werden diese von den meisten Hotels, die Gebühren sind aber oft um das zehnfache überteuert, damit ja niemand mitfährt!


Zum Schluss noch ein paar Worte zum Thema Bekleidung. Ägypten ist ein moslemisches Land aber Hurghada ist nicht Ägypten. Hurghada ist, wie alle Touristenstädte am Roten Meer, eine Art Enklave mit Sonderstatus in Ägypten. Gerade in den Hotels gibt es, bis auf gewisse Bereiche wie in Restaurants, fast keine Einschränkungen. Einzig und alleine das „Oben ohne von Weiblein“ ist nicht gestattet, auch nicht am Strand. Es sollten aber auch hier die Regeln des „Guten Geschmacks“ eingehalten werden. Ein dicker Bierbauch zeugt zwar von einem angenehmen Leben, hat aber unverhüllt nichts abseits des Strandes zu suchen. Ein Bikini ist auch nicht zum Einkaufen erfunden worden. Die Ägypter werden sie nicht direkt darauf ansprechen, aber sich ihren Teil denken (na ja, nicht nur die Ägypter).